Keine Panik nach dem Diesel-Urteil in Berlin – ADAC rät von übereilten Neukäufen ab (01.11.2018)

Alternativen zu Verbrennungsmotoren noch weit unterschätzt

Das Berliner Verwaltungsgericht hat am 9. Oktober den Weg für streckenbezogene Diesel-Fahrverbote in der Hauptstadt frei gemacht. Mit Umtausch-Prämien will die Industrie zum Kauf von neuen Fahrzeugen animieren. Doch auf welche Modelle sollen Autobesitzer nun eigentlich umsteigen? Und für wen lohnt sich der Neukauf wirklich?

Bloß nichts überstürzen, rät der ADAC Berlin-Brandenburg. „Fahrzeug-Umtausch beziehungsweise Neukauf lohnt sich in erster Linie für Besitzer von Diesel-Fahrzeugen der Euronorm 1-4, die weiterhin gänzlich uneingeschränkt in städtische Umweltzonen fahren möchten“, sagt Jörg Kirst, Technik-Experte des ADAC Berlin-Brandenburg. Euro-5-Diesel könnten möglicherweise durch Hardware-Nachrüstungen von Fahrverboten ausgenommen sein, sofern die Bundesregierung diese verbindlich regelt.

 

Benziner statt Diesel?

Im Vergleich zum Benziner punktet der Diesel nach wie vor mit geringem Kraftstoffverbrauch und niedrigerem CO2-Ausstoß. Diesel-Fahrzeuge mit den neuen Abgasstandards Euro 6d-TEMP beziehungsweise Euro 6d gelten mittlerweile als „sauber“, auch im Realbetrieb. Würden alle neu zugelassenen Diesel nun mit Benzin-Fahrzeugen ersetzt, könnten die europäischen Klimaziele kaum eingehalten werden.

 

Unbeliebte Alternative: Elektroautos

Welche Alternativen gibt es zu den klassischen Verbrennungsmotoren? Jüngste Umfragen der Deutschen Automobil-Treuhand (DAT) offenbaren: Elektroautos sind die unbeliebteste Alternative. Neben den hohen Anschaffungskosten nannten die Befragten insbesondere auch die geringe Reichweite, die als Grund gegen den Kauf eines E-Autos spreche. Reine Elektro-Fahrzeuge kommen einer ADAC Auswertung zufolge mit einer Batterieladung auf eine mittlere Reichweite von 260 km. Für Langstrecken-Fahrer können Hybrid- und Plug-In Modelle eine Alternative sein. Bis zu 850 km legen Hybride mit einer Tankfüllung zurück.

Zwar punkten Elektro-Fahrzeuge mit ihrem geringen CO2-Ausstoß und lokal emissionsfreien Antrieb, die Batterie- und Strom-Produktion wirken sich allerdings negativ auf die Umweltbilanz aus.

 

Erdgas und Autogas – die unterschätzten Alternativen

Erdgas (CNG - compressed natural gas) gilt unter Fachleuten als klimafreundlicher Treibstoff, da er auch aus erneuerbaren Rohstoffen hergestellt werden kann und somit CO2-neutral daherkommt. Auch in Sachen Stickoxid-Emissionen ist das Gemisch aus 85-prozentigem Methan herkömmlichen Antriebstechnologien weit voraus.

Doch die Nachfrage hält sich bisher in Grenzen. Dabei kommen die bivalent angetriebenen Fahrzeuge mit Erdgas- und Benzintank auf hohe Reichweiten. Der doppelte Treibstoffvorrat kann auch das Problem der bis dahin noch ausbaufähigen Erdgas-Tankstellendichte kompensieren. Dank geringer Besteuerung kommen Erdgas-Fahrer schon ab 10.000 gefahrenen Kilometern im Jahr günstiger weg als mit vergleichbaren Benzin- oder Dieselmodellen.

Für Vielfahrer lohnt sich auch die Überlegung der Umrüstung ihres Benziners auf Autogas (LPG – liquified petroleum gas). Das verflüssigte Gemisch aus Propan und Butan ist der derzeit am weitesten verbreitete alternative Kraftstoff, er treibt rund 450.000 Pkw in Deutschland an. Die Nachrüstkosten von bis zu 3.500 EUR können sich ab einer Fahrleistung von 30.000 Kilometern amortisieren.

Die Alternativen zum Diesel-Fahrzeug sind vielfältig, aber noch weit unterschätzt. Es gilt daher Kosten, Nutzen, Mehrwert und die persönliche Lebenssituation genauestens abzuwägen. „Die Kauf-Entscheidung sollte in keinem Fall übereilt getroffen werden. Wer nicht regelmäßig in die Innenstädte fahren muss, kann weiterhin mit seinem Diesel unterwegs sein, sollte sich aber über Hardware-Nachrüstungen oder Software-Updates auf dem Laufenden halten“, rät Jörg Kirst.

Quelle: ADAC

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